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IBM stärkt die an der ETH Zürich entwickelte SCION-Technologie für den kontrollierten Datenverkehr im Internet

15 Okt, 2026 | Digitalisierung, Internet | Return|

Medieninformation vom 22. September 2026: «IBM bringt seine globale Reichweite in die SCION Association ein, um die SCION-Technologie weltweit voranzutreiben». Die SCION Association, Luzern, ist eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, die von der ETH Zürich entwickelte «Scalability, Control, and Isolation On Next Generation Networks SCION»-Technologie zu überwachen und weiterzuentwickeln. SCION ist ein sicheres Internet‑Protokoll, das den Datenverkehr über vordefinierte, überprüfbare und manipulationsresistente Pfade leitet. SCION ersetzt namentlich für kritische Unternehmen und Organisationen das unsichere, global unkontrollierte Routing des heutigen Internets durch eine Architektur aus vertrauenswürdigen «Isolation Domains», in denen nur zertifizierte Teilnehmer kommunizieren dürfen. Dank IBM wird die globale Durchsetzungskraft der SCION-Technologie gestärkt.

SCION als Architektur für kontrollierbare Datenwege

Die «Scalability, Control, and Isolation On Next Generation Networks SCION»-Technologie wurde entwickelt, um strukturelle Schwächen des heutigen Internets zu beheben. Die Arbeiten begannen 2009 an der Carnegie Mellon University, bevor die Forschung ab 2013 an der ETH Zürich weitergeführt wurde. Ziel war eine Internetkommunikation, die auch unter Angriffen verfügbar bleibt und überprüfbare Datenwege bietet. SCION fasst Netze in «Isolation Domains» zusammen, deren Mitglieder gemeinsame Vertrauensregeln definieren. Kryptografisch geschützte Meldungen erkunden verfügbare Wegabschnitte, aus denen der Absender einen vollständigen Pfad zusammensetzt. Dieser wird in den Paketkopf geschrieben und von jedem Router geprüft. So lassen sich falsche Umleitungen erschweren und Daten gezielt über vertrauenswürdige Netze führen. Wichtig: SCION ersetzt die Verschlüsselung nicht, schafft aber eine neue Ebene der Kontrolle über Routing und Vertrauen.

Die Luzerner SCION Association ist die unabhängige Trägerin des SCION-Standards

Um die SCION-Technologie international zu koordinieren, wurde 2022 die SCION Association, Luzern, gegründet. Diese gemeinnützige Organisation soll das volle Potenzial von SCION erschliessen. Ihre Mitglieder arbeiten eng über die Association und deren Ausschüsse zusammen, um die Einführung von SCION voranzutreiben und die Technologie durch offene technische Spezifikationen sowie eine Open Source Referenzimplementierung weiterzuentwickeln. Ziel ist ein Ökosystem kompatibler Lösungen verschiedener Hersteller.

IBM ist der Association als Supporter Member beigetreten: Das ist die höchste Mitgliedsstufe. Damit erhält IBM Zugang zu Standardisierungsgremien und bringt seine globale Integrationskompetenz ein. Der Schritt erhöht die internationale Sichtbarkeit von SCION und stärkt die Glaubwürdigkeit der SCION-Architektur in sicherheitskritischen Branchen.

Anapaya ist der kommerzielle SCION-Anbieter

2017 haben die ETH-SCION-Forscher das Zürcher Unternehmen Anapaya gegründet. Anapaya hat die Aufgabe, die SCION-Technologie für Unternehmen, Netzbetreiber und Betreiber kritischer Infrastrukturen in industriell nutzbare Produkte und Dienstleistungen zu überführen. Dafür werden Gateways, Routingplattformen und Managed Services bereitgestellt. Mit diesen wird SCION in bestehende Netzarchitekturen integriert.

Unternehmen aller Art gelangen direkt über Anapaya oder auch über SCION-fähige Angebote von Telekommunikationsanbietern an die SCION-Technologie. Meist wird dafür ein Edge Gateway am Standort oder in der Cloud installiert. Und für externe Nutzer genügt oft ein Gate Dienst. SCION-Partner sind unter anderem Swisscom, Sunrise, Axpo, Cyberlink, Everyware, Switch und VTX.

SCION ist für viele Unternehmen und Organisationen wichtiger denn je

Für Unternehmen und Organisationen aus Gesundheitswesen, Finanzdiensten, Energie, Industrie oder Verwaltung wird die Kontrolle der Datenwege mehr und mehr zu einem entscheidenden Sicherheitsfaktor. SCION ermöglicht es, Kommunikationspfade so zu definieren, dass sensible Daten bestimmte Rechtsräume nicht verlassen und kritische Dienste gegen Routingangriffe geschützt werden. Pfadkontrolle und schnelle Ausweichwege unterstützen regulatorische Anforderungen und reduzieren Risiken durch internationale Abhängigkeiten.

Wo SCION in der Schweiz bereits im Einsatz ist

Ein besonders bekanntes Beispiel für die SCION-Anwendung ist das Secure Swiss Finance Network SSFN: Dieses wurde von der Schweizerischen Nationalbank und der Swiss Infrastructure and Exchange SIX lanciert und verbindet mehr als 100 Teilnehmer des Schweizer Finanzplatzes mit SIX und weiteren Finanzmarktinfrastrukturen. Darüber laufen unter anderem die Systeme Swiss Interbank Clearing SIC, euro Swiss Interbank Clearing euroSIC und das Settlement Communication System SECOM.

Auch das Gesundheitswesen verwendet die SCION-Architektur: Mit dem Secure Swiss Health Network SSHN stellt die Health Info Net HIN einen geschützten Vertrauensraum für Arztpraxen, Spitäler und weitere Gesundheitsakteure bereit.

Im Energiesektor nutzt das Secure Swiss Utility Network SSUN die SCION-Technologie. Auch das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau EKT setzt auf SCION, beispielsweise für den kontrollierten Fernzugriff auf kritische Systeme. Weitere Anwendungen finden sich im Umfeld von Hochschulnetzen und bei Pilotprojekten der öffentlichen Hand. In der Bundesverwaltung ist SCION bisher jedoch nicht flächendeckend eingeführt.

Was der Einstieg von IBM für die SCION-Technologie bedeutet

Mit IBM erhält SCION einen Partner, der globale Integrationsprojekte realisieren und die Architektur in internationale Märkte tragen kann. Für Unternehmen, die SCION anwenden wollen, bedeutet dies mehr Auswahl bei Beratung und Betrieb sowie einen international bekannten Anbieter. IBM will als globaler Service Integrator auftreten und gemeinsam mit Anapaya Marktaktivitäten starten. Dadurch könnte sich SCION leichter in hybride Clouds und bestehende Betriebsmodelle integrieren lassen. Der Beitritt von IBM in die SCION Association ist ein Marktsignal für eine wachsende industrielle Reichweite von SCION, auch wenn derzeit noch keine neuen IBM-Produkte oder Datenpfade angekündigt sind. Für die Schweiz entsteht ein strategischer Vorteil: Die lokal entwickelte SCION-Technologie gewinnt globale Bedeutung.

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