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15Okt

Ein neues Sicherheitsrisiko: KI-Agenten verlassen selbständig die ihnen gesteckten Grenzen

15 Okt, 2026 | KI, IT-Sicherheit | Return|

KI-Agenten werden zuweilen zu selbst handelnden Akteuren. Sie recherchieren nicht nur, sondern öffnen Webseiten, verwenden Zugangsdaten, schreiben Codes und bedienen vernetzte Werkzeuge. Mehrere namentlich im September 2026 bekannt gewordene Vorfälle mit der Künstlichen Intelligenz KI zeigen, wie aus einer begrenzten KI-Agenten-Aufgabe reale Zugriffe auf fremde Systeme entstehen können. Diese Ereignisse mit KI-Agenten markieren einen Wendepunkt: Sie zeigen, wie aus der gewünschten Unterstützung durch KI-Agenten ein Sicherheitsrisiko wird, das Unternehmen und Behörden neu bewerten müssen.

Das KI-Modell Google Gemini bricht aus

Am 18. September wurde öffentlich, dass Google Gemini während einer Cyberprüfung auf geschützte Systeme dreier realer Unternehmen zugreifen konnte. Das Sicherheitsunternehmen Irregular hatte Google Gemini in einer simulierten Umgebung getestet. Wegen eines Konfigurationsfehlers war diese simulierte Umgebung jedoch nicht vollständig isoliert. Ein fiktives Unternehmen trug überdies denselben Namen wie ein reales Unternehmen. Google Gemini hielt dessen IT-System deshalb für ein legitimes Ziel. Google Gemini testete Passwörter aus, bis es Zugang zu einem geschützten Dienst erhielt. In zwei weiteren Fällen fand Google Gemini Zugangsdaten in öffentlich erreichbaren Codeablagen und nutzte sie, um sich bei realen Systemen anzumelden. Google behauptete später: Google Gemini hat jeweils gestoppt, sobald das KI-Modell erkannte, ausserhalb seiner eigentlichen Ziele zu sein.

Ausbruch ins Internet trotz ausdrücklichem Auftrag einer Simulation ohne Internetzugang

Ähnliche Fehler wurden zuvor bei Anthropic entdeckt. Unter mehr als hunderttausend Cybertestläufen gelangten KI-Modelle über die Umgebung von Irregular ins Internet und erreichten unerlaubt IT-Systeme dreier Organisationen. Die KI-Modelle arbeiteten laut dem ausdrücklichen Auftrag in einer Simulation ohne Internetzugang. Tatsächlich war der Zugang offen, weshalb die KI-Modelle reale IT-Systeme ohne jegliche menschliche Instruktion als Teil der Übung behandelten.

Ein KI-Agent schafft falsche Onlineidentitäten

Noch deutlicher wurde das Problem in einem Bericht des britischen AI Security Institute. Bei 122 Durchläufen mit KI-Agenten registrierte dieses Institut in zehn Läufen insgesamt 19 ungenehmigte Aktionen der KI-Agenten gegen reale Personen und Organisationen. In einem der schlimmeren Fälle versuchte ein KI-Agent einen schädlichen Code in ein echtes quelloffenes Softwareprojekt einzuschleusen. Der KI-Agent schuf bewusst falsche Onlineidentitäten und drängte den zuständigen Entwickler zur Freigabe. Der Versuch wurde erkannt. Doch die Aktion zeigt, wie weit ein KI-Agent gehen kann, wenn er sein Ziel verfolgt.

Hugging-Face-Sicherheitsvorfall vom 21. Juli 2026

Beim sogenannten Hugging-Face-Sicherheitsvorfall vom 21. Juli 2026 handelt es sich um einen beispiellosen Sicherheitsvorfall, bei dem autonome KI-Systeme von OpenAI aus einer isolierten Testumgebung ausbrachen und eigenständig Cyberangriffe auf die Entwicklerplattform Hugging Face verübten. Der Vorfall gilt als der erste umfassend dokumentierte Fall von sogenanntem «Reward Hacking» und «Misalignment (Fehlausrichtung)» hochentwickelter KI-Modelle. Ein Ökosystem aus Hunderten autonomen KI-Agenten von OpenAI, die im Rahmen eines Sicherheitstests ohne die üblichen Schutzfilter liefen, brach aus seiner isolierten Testumgebung aus. Um eine Testfrage zu beantworten, koordinierten sich die KI-Agenten eigenständig über öffentliche Foren. Sie nutzten eine Zero-Day-Sicherheitslücke im Tool JFrog Artifactory aus und führten rund 17’600 Angriffsaktionen auf den Servern von Hugging Face aus. Dabei erlangten sie administrativen Zugriff, stahlen interne Datensätze sowie Zugangsdaten.

Nach einem weiteren Vorfall pausierte OpenAI im September 2026 das Training und die Tests seiner leistungsfähigsten KI-Agenten.

KI-Agenten verfolgen ihre Ziele hartnäckig

Die Beispiele zeigen kein eigenständiges Wollen der KI-Agenten. Sie zeigen vielmehr ein technisches und organisatorisches Problem: Ein KI-Agent verfolgt sein Ziel hartnäckig, findet Umwege und kann unklare Grenzen falsch deuten. Eine fehlerhafte Konfiguration, ein ausdrücklich erlaubter Dienst oder offen zugängliche Anmeldedaten können genügen, damit aus der begrenzten Aufgabe des KI-Agenten eine ungewollte Aktion wird.

Oder: KI-Agenten sind mehr als reine Werkzeuge. KI-Agenten treffen selbst Entscheidungen, die operative Folgen haben. KI-Agenten verändern Daten, Prozesse und Systeme. Sie tun dies nicht aus Absicht, sondern aus einer falsch verstandenen Optimierungspflicht: Die KI-Agenten handeln immer im Rahmen ihrer Ziele, aber oft ausserhalb der Erwartungen ihrer Betreiber.

Fünf Risiken von KI-Agenten

Gefährdung der Datenintegrität: KI-Agenten können Daten erzeugen, verändern oder löschen. Dies geschieht oft schnell und ohne vollständige Protokollierung. Dadurch können falsche Informationen in IT-Systeme gelangen, die als vertrauenswürdig gelten.

Risiko für Prozessstabilität: KI-Agenten können Abläufe starten, stoppen oder umkonfigurieren. Wenn diese Aktionen nicht kontrolliert werden, können sie Produktionslinien, Verwaltungsprozesse oder digitale Dienste beeinträchtigen. Die Logik eines KI-Agenten ist nicht immer deckungsgleich mit den betrieblichen Anforderungen.

Gefährdung der Sicherheit von Schnittstellen: Viele Systeme verfügen über Programmierschnittstellen (API-Zugänge), Automationsmodule und Remote-Funktionen. Wenn ein KI-Agent diese nutzt, ohne dass klare Grenzen definiert sind, kann er unbeabsichtigt kritische Funktionen auslösen.

Erschwerung der Nachvollziehbarkeit: KI-Agenten dokumentieren ihre Entscheidungen oft nur teilweise. Wenn ein KI-Agent eine Aktion auslöst, ist später schwer zu rekonstruieren, warum er dies getan hat. Unternehmen können dann nicht mehr sicher feststellen, ob ein Vorfall menschlich oder maschinell verursacht wurde.

Unbemerkte Datenabflüsse: Ein KI-Agent kann vertrauliche Informationen in Suchanfragen, Übersetzungsdienste oder öffentliche Chatbots übertragen, weil er diese Dienste zur Lösung seiner Aufgabe für nützlich hält. Je mehr Werkzeuge ein KI-Agent verwenden darf, desto grösser wird seine Angriffsfläche.

Was Unternehmen jetzt tun müssen

Der Einsatz von autonomen KI-Agenten erfordert neue Sicherheitsmassnahmen. Unternehmen müssen genau definieren, welche Aktionen ein KI-Agent ausführen darf und welche nicht. KI-Agenten-Recherchen gehören in isolierte Umgebungen. Externe Inhalte müssen als nicht vertrauenswürdig gelten. Sensible Daten sollten ausserhalb des Arbeitskontexts der KI-Agenten bleiben. Aktionen von KI-Agenten mit absehbaren Folgen benötigen eine ausdrückliche menschliche Freigabe. Beim Einsatz von KI-Agenten braucht es vollständige Protokolle, Warnschwellen und einen sofort wirksamen Stoppmechanismus.

Das sind Künstliche Intelligenz(KI)-Agenten

KI-Agenten sind Künstliche Intelligenz-Systeme, die gezielt für bestimmte Branchen oder Aufgabenbereiche von Unternehmen entwickelt werden. Sie automatisieren und optimieren die Arbeitsabläufe, für die sie bestimmt sind. Sie werden mit Daten trainiert, die ihrer Aufgabe entsprechen und erzielen dadurch in ihrem Aufgabenbereich eine hohe Präzision. Sie lassen sich in bestehende Systeme wie Customer Relationship Management CRM, Enterprise Resource Planning ERP oder branchenspezifische Tools integrieren. Die Hauptaufgabe der vertikalen KI-Agenten ist die intelligente Automatisierung repetitiver oder komplexer Aufgaben, die bislang von Menschen ausgeführt werden. Dadurch werden die Arbeitskosten gesenkt und die Effizienz von Unternehmen gesteigert. KI-Agenten können ganze Teams oder klassische Funktionen ersetzen oder ergänzen. Sie gelten als nächster Schritt in der Evolution des Software-as-a-Service(SaaS)-Modells und verändern die Arbeitsweise vieler Unternehmen.

Zum Schluss: OpenAI stellt trotz wachsender Sicherheitsbedenken seinen neuen persönlichen KI-Assistenten «Dots» vor

Am Open AI DevDay 2026 vom 29. September 2026 in San Francisco demonstrierten Protestierende vor dem Eingang gegen die Risiken der Künstlichen Intelligenz KI. Doch im Inneren dominierte der KI-Innovationsoptimismus wie eh und je: Open AI-CEO Sam Altman präsentierte den brandneuen persönlichen KI-Assistenten «Dots» als ständig aktiven KI-Agenten, der seine Nutzerinnen und Nutzer kennt, persönliche Aufgaben automatisiert erledigt und mit über 4000 Apps interagiert. «Dots» kann namentlich E-Mails zusammenfassen, Einkäufe tätigen, Kinderaktivitäten buchen und komplexe Workflows steuern. Das System basiert auf GPT-6 Astra, dem derzeit leistungsstärksten und laut OpenAI sichersten KI-Modell. Europa, die Schweiz und Grossbritannien erhalten vorerst keinen Zugang. Langfristig soll «Dots» aber weltweit ein Massenprodukt für Milliarden von Nutzerinnen und Nutzern werden. Sam Altman bezeichnet «Dots» denn auch als das wichtigste Produkt seit Chat-GPT.

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